JavaScript ist nicht aktiviert, bitte prüfen Sie Ihre Browser-Einstellungen.
JavaScript is not enabled, please check your browser settings.

Hobbys

Jean Paul Sartre

Portrait Jean Paul Sartre
Gedanken. Schwindelgefühl. Existenzerneuerung.
Ich existiere. Ich denke, dass ich existiere. Oh, die lange Papierschlange, dieses Gefühl zu existieren – und ich wickle sie ab, ganz langsam … Wenn ich mich daran hindern könnte zu Denken! Ich versuche es, es gelingt: mir kommt es vor, als füllte sich mein Kopf mit Rauch … und schon fängt es wieder an: Rauch … Ich will nicht denken … Ich denke, dass ich nicht denken will. Ich darf nicht denken, dass ich nicht denken will. Weil das auch schon wieder ein Gedanke ist. Wird das denn nie ein Ende nehmen? Mein Denken, das bin ich: deshalb kann ich nicht aufhören. Ich existiere, weil ich denke …. Und ich kann mich nicht daran hindern zu denken. Sogar in diesem Moment – es ist grässlich, wenn ich existiere, so, weil es mich graut zu existieren. Ich bin es, ich bin es, der mich aus dem Nichts zieht, nach dem ich trachte: der Hass, der Abscheu zu existieren, das sind wiederum nur Arten mich existieren zu machen, in die Existenz einzutauchen. Die Gedanken entstehen hinter mir, wie ein Schwindelgefühl, ich fühle sie hinter meinem Kopf entstehen … wenn ich nachgebe, kommen sie gleich hier nach vorne, zwischen meine Augen – und ich gebe immer nach, das Denken schwillt an, und da ist es, riesengroß, das mich vollständig ausfüllt und meine Existenz erneuert. Der Ekel
Freiheit.
Ist das die Freiheit? Hinter mir steigen die Gärten wallend auf die Stadt hinunter, und in jedem Garten steht ein Haus. Ich sehe das Meer, schwer, unbewegt, ich sehe Bouville. Das Wetter ist schön. Ich bin frei: ich habe keinen einzigen Grund mehr zu leben, alle, die ich ausprobiert habe, haben versagt, und ich kann mir keine anderen mehr ausdenken. Ich bin noch ziemlich jung, ich habe noch genügend Kräfte, um neu anzufangen. Aber was soll man neu anfangen? Der Ekel
Essen, Schlafen. Schlafen, Essen.
Drei Jahre ist es her, dass ich feierlich in Bouville eingezogen bin. Ich hatte die erste Runde verloren. Ich habe die zweite spielen wollen, und ich habe auch die verloren: ich habe die Partie verloren. Zugleich habe ich erfahren, dass man immer verliert. Da sind nur die Schweine, die zu gewinnen glauben. Jetzt werde ich es wie Anny machen, ich werde mich überleben. Essen, schlafen. Schlafen, essen. Langsam, sachte existieren, wie diese Bäume, wie eine Pfütze, wie die rote Sitzbank in der Straßenbahn. Der Ekel
Zuviel für die Ewigkeit.
Und ich – schlaff, schlapp, obszön, trübe Gedanken verdauend, wiederkäuend – auch ich war zuviel. Zum Glück empfand ich es nicht, ich begriff es vor allem, aber ich fühlte mich unwohl, weil ich Angst hatte, es zu empfinden (noch jetzt habe ich Angst davor – ich habe Angst, dass es mich am Hinterkopf packt und dass es mich hochhebt wie eine Grundsee). Ich träumte unbestimmt davon, mich zu beseitigen, um wenigstens eine diese überflüssigen Existenzen zu vernichten. Aber diese Grübelei hatte kein anderes Ergebnis, als mich zu einer Überlegung zu bringen, die mich niederschmetterte: nämlich, dass es zweifellos in meiner Macht lag, mich zu töten, aber nicht meine »Überflüssigkeit« zu vernichten. Aber selbst mein Tod wäre zuviel gewesen. Zuviel meine Leiche, mein Blut auf diesen Kieseln, zwischen diesen Pflanzen, mitten in diesem heiteren Park. Und das zerfressende Fleisch wäre zuviel gewesen in der Erde, die es aufgenommen hätte, und meine Knochen schließlich, gereinigt, abgeschält, sauber und blank wie Zähne, wären ebenfalls zuviel gewesen: ich war zuviel für die Ewigkeit. Mein Blick war gesenkt, ich sah zerstreut die Wurzel des Kastanienbaums an: ich begriff plötzlich, dass die Existenz absurd war. Der Ekel