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Hobbys

Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Portrait Fjodor Michailowitsch Dostojewski
Ein Witz.
Kurz, der Mensch ist komisch eingerichtet; es steckt in alledem offenbar ein Witz. Aufzeichnungen aus dem Kellerloch
Etwas Krankhaftes.
Meine geistige Entwicklung hatte etwas Krankhaftes, wie sich das bei einem gebildeten Menschen unserer Zeit so gehört. Aufzeichnungen aus dem Kellerloch
Alles Dummköpfe. Außer man selbst.
Dass ich nicht verstanden habe, boshaft zu werden, ist nicht das Einzige: Ich habe überhaupt nicht verstanden, etwas zu werden, weder boshaft noch gutmütig, weder ein Schuft noch ein Ehrenmann, weder ein Held noch ein Wurm. Jetzt aber lebe ich in meinem stillen Winkel und ziehe mich mit dem boshaften, wirkungslosen Troste auf, dass ein verständiger Mensch überhaupt nichts ernstlich werden kann, sondern etwas zu werden nur einem Dummkopf möglich ist. Aufzeichnungen aus dem Kellerloch
Leiden. Zerstörung. Chaos.
Indessen bin ich davon überzeugt, dass der Mensch auf das wirkliche Leiden, das heißt auf die Zerstörung und das Chaos, niemals verzichten wird. Das Leiden, das ist ja die einzige Ursache der Erkenntnis. Und wiewohl ich am Anfang gesagt habe, die Erkenntnis sei meiner Ansicht nach für den Menschen das größte Unglück, so weiß ich doch, dass der Mensch sie liebt und sie gegen keine Befriedigung eintauschen würde. Aufzeichnungen aus dem Kellerloch
Kein Mittelding.
Entweder ein Held sein oder im Schmutze liegen; ein Mittelding gab es für mich nicht. Aufzeichnungen aus dem Kellerloch
Nervenüberreizung.
Am andern Tage war ich schon wieder geneigt, das alles für Unsinn, für Nervenüberreizung und vor allen Dingen für Übertreibung zu halten. Ich hatte immer diese meine schwache Seite gekannt und mich manchmal sehr vor ihr gefürchtet: »Ich übertreibe alles; das ist mein Fehler«, wiederholte ich mir allstündlich. Aufzeichnungen aus dem Kellerloch
Erhabenes Leid.
Was ist besser, ein billiges Glück oder ein erhabenes Leid? Aufzeichnungen aus dem Kellerloch
Leeres Stroh dreschen.
O meine Herren, vielleicht halte ich mich nur deswegen für einen klugen Menschen, weil ich mein ganzes Leben lang weder vermocht habe, etwas zu beginnen noch etwas zu beenden. Nun gut, mag ich ein Schwätzer sein, ein unschädlicher, lästiger Schwätzer wie wir alle. Aber was ist zu tun, wenn der einzig wahre Beruf jedes verständigen Menschen ist zu schwatzen, das heißt mit bewusster Absicht leeres Stroh zu dreschen? Aufzeichnungen aus dem Kellerloch
Abgeschiedenheit.
Das Endresultat, meine Herren, ist dieses: Das Beste ist, nichts zu tun! Das Beste ist eine beschauliche Untätigkeit! Und also: Es lebe die Abgeschiedenheit! Ich habe zwar gesagt, dass ich grün und gelb werde vor Neid auf den normalen Menschen; aber unter den Verhältnissen, in denen ich ihn sehe, möchte ich nicht er sein (obgleich ich trotzdem nicht aufhören werde, ihn zu beneiden). Nein, nein, die Abgeschiedenheit ist auf jeden Fall vorteilhafter! Dort ist es wenigstens möglich ... Ach! Ich lüge ja auch hier! Ich lüge, weil ich selbst so sicher wie »Zweimal zwei ist vier« weiß, dass das Beste ganz und gar nicht die Abgeschiedenheit ist, sondern etwas anderes, etwas ganz anderes, wonach ich dürste, was sich aber absolut nicht zu finden vermag! Hol der Teufel die Abgeschiedenheit! Aufzeichnungen aus dem Kellerloch
Wie ein Dummkopf.
Ich hatte die Geduld, neben diesen Leuten wie ein Dummkopf oft vier Stunden lang zu sitzen, ohne dass ich selbst gewagt oder verstanden hätte, über irgendein Thema mit ihnen ein Gespräch zu führen. Aufzeichnungen aus dem Kellerloch
Uninteressant.
Lange Geschichten darüber zu erzählen, wie ich mir mein Leben verhunzt habe durch meine moralische Fäulnis in meinem abgeschiedenen Winkel, durch den Mangel einer angemessenen Umgebung, durch die Entwöhnung von dem »lebendigen Leben« und durch die Bosheit, die ich in meiner ärmlichen Behausung sorgsam ausklügelte, das ist wahrhaftig nicht interessant. Aufzeichnungen aus dem Kellerloch